Das Versprechen
Eine Ebene höherZunächst einmal möchte ich klären, was wir von seiner ausgeflippten Theorie erwarten können: sie will ja mehr sein als nur ein kühn konstruiertes Gebilde, sondern unser Verständnis der Gesellschaft verbessern.
- Warum sollen wir uns überhaupt mit Luhmann beschäftigen? — erstellt von Thomas Nöske — zuletzt verändert: 16.06.2007 20:33
- Ich möchte hier der Frage nachgehen, was Niklas Luhmanns Theorie einer gesellschaftskritischen Perspektive zu bieten hat? Dafür gibt es mehrere gute Gründe ...
- Faszination, Gefahr oder Unverständnis — erstellt von Thomas Nöske — zuletzt verändert: 11.05.2007 20:31
- Bevor ich tiefer in die Auseinandersetzung mit Luhmanns Theorie einsteige, erscheint es mir sinnvoll, die Frage zu klären: Was ist eigentlich so faszinierend an dem Mann? Warum scheiden sich die Geister nach wie vor – über zwanzig Jahre nach Erscheinen seines ersten Hauptwerks: "Soziale Systeme" - so krass in Jünger, die seine Hypothesen ehrfürchtig wie Gesetze rezitieren, und Gegner, die ihm keine drei Schritte weit über den Weg trauen?
- Die Kraft des Systems — erstellt von Thomas Nöske — zuletzt verändert: 22.05.2007 07:16
- Theorie-Systeme besitzen eine besondere Konsistenz und damit eine gewisse Überzeugungskraft. Sie können alles erklären. Gleichzeitig immunisieren sie sich gegen Widersprüche. Durch ihre Brille erscheint alles gleich.
- Sozialtechnologie — erstellt von Thomas Nöske — zuletzt verändert: 23.05.2007 06:32
- Luhmanns Gegner dagegen vertreten häufig die Meinung, mit seiner Lehre werde dem Zerfall von Zivilisation und Vernunft Tür und Tor geöffnet. Das Abendland verfalle in eine Art technisch überzüchtete Barbarei, in ein asoziales Affentheater.
- Der Blick vom Mond — erstellt von Thomas Nöske — zuletzt verändert: 23.05.2007 06:33
- Die Systemtheorie überträgt also Regeln und Gesetze des biologischen Lebens auf die Gesellschaft, so dass Institutionen wie die Wirtschaft, Politik, Justiz, Kunst etc. mit Eigenschaften organischer Lebewesen versehen werden, etwa einem eigenem Überlebensinstinkt, eigener Entwicklungslogik etc. Die Systemtheorie zieht sich dann auf einen möglichst entfernten, gleichmütigen Beobachterstandpunkt zurück und beobachtet das Geschehen auf der Erde aus kosmischer Distanz.
- Die Theorie als künstlerisches Gebilde. — erstellt von Thomas Nöske — zuletzt verändert: 23.05.2007 06:36
- So wie die Historiker, wenn ihnen die Sicherungen durchknallen, anfangen nach Atlantis zu suchen, und die Ingenieure das Perpetuum Mobile bauen oder nach künstlichen Intelligenzen suchen, so gehen die Philosophen auf die Suche nach Gott oder nach runden, geschlossenen Welterklärungstheorien.
- Supertheorie der Gesellschaft: wofür braucht man sowas? — erstellt von Thomas Nöske — zuletzt verändert: 10.06.2007 13:42
- Es ist ja nicht so, dass er die Forderungen seiner gesellschaftskritischen Studenten nach 1968 rundheraus abgewiesen hätte; damit hätte er sich kaum zum Intimfeind der Bewegung entwickeln können. Vielmehr hat er einige ihre Problemdefinitionen zunächst einmal angenommen, dann jedoch vorm Hintergrund der eigenen Überlegungen umformuliert und anders beantwortet.
- Soziale Gerechtigkeit als Kommunikationsproblem — erstellt von Thomas Nöske — zuletzt verändert: 10.06.2007 13:39
- Bevor ihr Gesellschaftskritik übt, müsst ihr erst begreifen, wie die Gesellschaft überhaupt läuft. Und das ist gar nicht so einfach, denn die Gesellschaft ist hochkomplex und verschachtelt.
- Drei Utopien: Integration, Emanzipation oder Steuerung — erstellt von Thomas Nöske — zuletzt verändert: 10.06.2007 13:37
- Es ist also klar, dass Luhmanns implizite Utopie nicht mit denen des Marxismus oder der Kritischen Theorie verglichen werden kann, sondern eigene Definitionen des gesellschaftlich Wünschenswerten voraussetzt.
- Emanzipation versus Autopoiesis — erstellt von Thomas Nöske — zuletzt verändert: 10.06.2007 13:34
- Da er alle gesellschaftlichen Prozesse als eigenständige Systemprozesse versteht, die mehr oder weniger unabhängig von subjektiven Interessen laufen, kommt seine Theorie praktisch auch ohne Menschen aus; die Sozialen Systeme gehorchen ihren eigenen Regeln.
- Ideologiekritik versus Funktionalismus — erstellt von Thomas Nöske — zuletzt verändert: 10.06.2007 13:30
- Würde man sein Gesamtwerk nicht als Wissenschaft, sondern als Poesie lesen, dann würde ich sagen: es sind Reflexionen eines Menschen, der sich durch einen verstrickten, kafkaesken Apparat schlagen muss – und in dieser Auseinandersetzung die eigene Selbständigkeit gewinnen möchte.
- Soziale Ethik versus Komplexitätsbewusstsein: — erstellt von Thomas Nöske — zuletzt verändert: 10.06.2007 13:27
- Indes muss erschwerend angemerkt werden, dass nach Luhmanns Theorie leider keiner der beteiligten Personen über einen direkten Zugriff auf die Spielregeln verfügt. Das Geld, das Recht, die Macht, die Massenmedien verfügen über ihre je eigenen Regeln, die den ihnen zugehörigen Systemen auch eine je spezifische Eigendynamik und damit einhergehende Systemzwänge und Muster des Ungleichgewichts verleihen.