Benutzerspezifische Werkzeuge
Artikelaktionen

Mudev Skrugels letzte Fahrt

Eine Ebene höher

Auch von Meister Stemmer. Man glaubt nicht, dass diese Geschichte und Oberisling aus der Feder desselben Mannes stammen. Denn wahrlich, hier herrscht das pralle, das wahre Leben: Poesie, Glück, Freiheit, Freude ...

1. Kapitel: Absterben erstellt von Thomas Stemmer — zuletzt verändert: 21.10.2007 15:04
Ein plötzlicher Anprall mag mitunter überraschend sein: Die Toten reisen nach Westen; so sagt man. Lediglich in Indien ziehen die Toten nach Norden, denn nördlich des indischen Subkontinents liegt das mächtige Himalaya-Gebirge, naheliegend also in jeder Hinsicht, für die Lebenden und die Toten.
2. Kapitel: Gebenedeit erstellt von Thomas Stemmer — zuletzt verändert: 21.10.2007 15:09
Mudev Skrugel hatte die Religion, in der er aufgewachsen war, längst verlassen und war zu einer anderen Richtung konvertiert; trotzdem waren ihm gewisse Worte im Gedächtnis hängengeblieben. Neben dem etwas düsteren Absterben das traumhaft-verwobene und doch klanglich so daherpolternde Gebenedeit. Gebenedeit: das klang fest und volldröhnend.
3. Kapitel: Gygax erstellt von Thomas Stemmer — zuletzt verändert: 21.10.2007 15:11
Es gab Zeiten, da hätte es Mudev Skrugel gerne gesehen, wenn sich – endlich – etwas geändert hätte, doch es tat sich nahezu nichts. Da sich also seinerzeit nichts wirklich änderte, gab es auch keinen Grund, sich ein Buch zuzulegen, wie Skrugel das ansonsten zu tun pflegte, trat eine große Veränderung in sein Leben. Es mußte also eine Zeitung herhalten. Eine Zeitung mußte ausreichen.
4. Kapitel: Evaluation erstellt von Thomas Stemmer — zuletzt verändert: 21.10.2007 15:13
Dieses Wort – Evaluation – erschreckte Mudev Skrugel, seitdem er an einigen der Universitäten studiert hatte. Zumeist wurde es ihm von hysterischen Dozentinnen an den Kopf geschleudert, die im Wissenschafgtsbetrieb unter dem Druck standen, sich durch besondere Methodenstrenge vor ihren männlichen Kollegen auszeichnen zu müssen: Das muß doch alles noch evaluiert werden!, und es klang wie gefoltert, erschossen, umerzogen, gehirngewaschen, gefälscht und falsch nachgedichtet.
5. Kapitel: Akadie erstellt von Thomas Nöske — zuletzt verändert: 21.10.2007 15:25
Als Mudev Skrugel geboren wurde, erblickte er, wie das in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts so üblich war, das Licht der Welt in einem Krankenhaus. Nach kurzer Zeit brachten ihn seine frischgebackenen Eltern in einem weißen Auto nach Hause. Sie nahmen dabei nicht die kürzeste Strecke, sondern fuhren die schönsten Straßen entlang wohlgeformten Jugendstil-Bauten, Repräsentationsgebäuden der Gründerzeit, Palästen des Barock und so manchem Park.
6. Kapitel: Okel-dōc erstellt von Thomas Stemmer — zuletzt verändert: 21.10.2007 15:18
Eines der Kriterien, nach denen Mudev Skrugel die Menschen einteilte, war, ob sie Okel-dōc sagten oder ob sie nicht Okel-dōc sagten. Mudev Skrugel sagte nicht Okel-dōc. Ganz im Gegenteil, Okel-dōc widerte ihn an. Er konnte es nicht ertragen, wenn jemand zu seinem Gegenüber allen Ernstes meinte: Also, wir treffen uns dann morgen um zwölf, Okel-dōc? Für Skrugel lag darin etwas Erschreckendes.
7. Kapitel: Die Skapulier-Bruderschaft erstellt von Thomas Nöske — zuletzt verändert: 21.10.2007 15:20
Was, so überlegte Mudev Skrugel, passierte mit den Worten, wenn er plötzlich anprallen und absterben sollte. Wären diese Worte, die sich in ihn eingebrannt hatten, dann wieder frei und würden sich lediglich einen anderern Wirt suchen, wie ein Virus, der nur ein einziges Programm in sich trägt: Überleben! Durchhalten! Um jeden Preis! Oder wären sie verschwunden, mit Skrugel dahingegangen, explodiert, in heiße Seife gelöst oder sanft entschlafen?
8. Kapitel: Der Musident erstellt von Thomas Nöske — zuletzt verändert: 21.10.2007 15:22
Mit der Musik war es ja so eine Sache. Lange hatte der noch sehr kleine Mudev Skrugel von Eltern und Großeltern etwas über Musik gehört. So hatte er sich bei ihm, noch bevor er bewußt die ersten Töne und Takte einordnen konnte, ein besonderes Verständnis von Musik eingestellt.
9. Kapitel: Ein Ei und Frieden erstellt von Thomas Nöske — zuletzt verändert: 21.10.2007 15:24
Nun, da Mudev Skrugel Sevilla bis auf wenige Kilometer nahe gekommen war, überraschte ihn eine eigentümliche Empfindung, ganz so, als sei er nicht vor einigen Tagen in Nürnberg losgefahren, und als habe er das alte mysteriöse Haus, das seine Kindheit mit Gewölben und unerwarteten Nischen begleitet hatte, nicht verkauft.