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Die Kunst, einen Roman gut zu Ende zu führen

erstellt von Thomas Nöske zuletzt verändert: 15.07.2007 06:53

Etliche Bücher gewinnen an Qualität enorm, wenn man den Schluss weglässt. Auf den letzten zwanzig Seiten knicken die meisten ein. Es ist ja auch verdammt schwer: Die Motive, Konflikte, Figuren etc. sollen nocheinmal in einem echten Höhepunkt gipfeln und das Szenario dann sanft ausklingen ... Nietzsche sagt: "in so stolzem, ruhigem Gleichmaß ins Meer (abfallen), wie zum Beispiel die Gebirge bei Porto fino – dort, wo die Bucht von Genua ihre Melodie zu Ende singt."

In diesem Sinn wirklich exzellent enden zum Beispiel Tom Wolfes "Fegefeuer der Eitelkeiten", in dessen Finale sämtliche in die Intrigen und Ereignisse verstrickten Figuren karrieremäßig steil in die Höhe schießen oder voll auf die Fresse knallen, während der Protagonist in einer Art Epilog plötzlich als eiskalter Zyniker in Erscheinung tritt; die Geschichte hat ihn abgebrüht, und als solcher steht er am Ende des Romans als eine Art durchblickender Halbtoter wieder auf. Ähnlich stark empfinde ich den Schluss von Philip K. Dicks: "Der dunkle Schirm", in dessen Handlungsverlauf der drogensüchtige Protagonist und seine Freunde zusehends abbauen, während sich keiner ihrer Wünsche erfüllt, keiner ihrer verzückten Hippe-Träume Realität wird; am Ende kommt er dann in eine Entzugsklinik, ist psychisch bereits schwer erkrankt, geistig chronisch beeinträchtigt – und erfährt, in einer surrealen Schlussequenz, dass die Therapiekonzerne zugleich die Drogenproduzenten sind. Das sind finale Höhepunkte, die ihre Romane buchstäblich abschließen; die Motive werden noch einmal voll hochgekocht, superscharf modelliert, danach die Tür zugeknallt.

Dann gibt es die Romane mit akzeptablem Ende. Das ist überhaupt der Normalfall: ein an sich spannender, gut geschriebener Roman mit interessanten Charakteren, guten Motiven etc. hält seine Spannung durchgängig und endet am Schluss unspektakulär. Theoretisch könnte es auch noch weitergehen, aber weil das Buch aus Zeit- und Platzgründen irgendwann ja einfach aufhören muss, produziert der Autor eine Art freundlichen Schlusschnörkel, gleich der modulartigen Standardriffs, mit der Tanzkapellen ihre Stücke formal abrunden. Entweder: "Sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende", oder andersherum: "Durch einen überraschenden Unfall mussten plötzlich alle sterben!" Das geht völlig in Ordnung. Die Bücher sind rund und hinterlassen keinen blöden Nachgeschmack, sie sind wohlgestaltet und gut durchdacht; allerdings fehlt ihnen der Paukenschlag, sie lösen keine standig ovations aus, man legt sie zufrieden aus der Hand, ist aber nicht total geplättet. Eigentlich merkt man ihr Ende nur daran, dass sich keine weiteren Seiten mehr umblättern lassen.

Richtig ärgerlich ist jene dritte Kategorie, bei der ein an sich guter oder gar hervorragender Roman durch ein missglücktes Ende ruiniert wird. Der Leser denkt sich: "Mist, hätte ich den Schluss nicht gelesen, mir hätte das Buch insgesamt besser gefallen. Das Ende ist so schlecht, das macht alles kaputt!" Typisch für diesen Fall sind jene Krimis und Liebesgeschichten, die eigentlich ein bestimmtes Millieu schildern wollen oder einen neuen literarischen Stil ausprobieren und sich eines konventionellen Handlungsgerüsts nur aus erzähltechnischen Gründen bedienen. Thomas Prinz‘ Krimi: "Ankunft in Bukarest" ist zum Teil eine ganz reizvolle und atmosphärisch dichte Beschreibung der politischen Szene Bukarests, der Schluss des Romans ist jedoch – gelinde gesagt – katastrophal. Wie bei einem schlechten Agatha Christie-Krimi entpuppen sich die Figuren völlig unvermittelt als ganz andere Personen, der Kommissar ist nur ein getarnter Verbrecher, der Hauptverdächtige ein getarnter Komissar, der Tote war gar nicht wirklich tot etc. Man kann es ertragen und verzeiht es dem Autor, weil man weiss, dass es eigentlich nicht um die Krimigeschichte geht, sondern um die Figuren, einzelnen Szenen, Impressionen, Fragmente ... die nur der Ordnung halber auf eine Handlungskette gefädelt werden müssen.

Oder man kann es dem Autor eben gerade nicht verzeihen, weil der ganze Reiz, die ganze Spannung der Geschichte letztlich doch nur auf die Auflösung am Schluss zielt – und ohne diese Erwartung völlig langweilig gewesen wäre. Das widerum ist der Fall bei Andreas Eschenbachs "Jesus-Video": Archäologen finden in einem Grab die Gebrauchsanleitung einer Videokamera, die aus der Zukunft stammt; sie kombinieren rasch, dass aus der Zukunft ein Zeitreisender in die Vergangeheit gereist ist, um Jeusus Christus zu filmen; allerdings sind die Kamera selbst und die Kassette verschwunden. Nach dieser raffinierten Eröffnung kann der Romanautor eigentlich machen was er will: die Neugierde auf die originalen Filmaufnahmen des echten Jesus halten jeden Leser bei der Stange. Allerdings, und das ahnt man vielleicht schon am Anfang, hat der Autor damit wohl auch überfordert. Ein solches Versprechen kann kein Thriller akzeptabel einlösen!

Fast scheint es dramaturgisch unmöglich, die Sache befriedigend aufzulösen; denn wie könnte man sich eine Pointe, die überrascht und inhaltlich wie literarisch überzeugt, überhaupt noch vorstellen? – unsere Phantasein, wer genau, ja vor allem wie Jesus als Mensch war, sind heutzutage eh schon so verschieden, dass uns gar nichts mehr schockiert: Jesus als Hippie, Freak oder Kiffer, das kennen wir schon! Jesus als normaler Mensch, der als Prophet nur missverstanden wurde, haben Monty Python im "Leben des Brian" vorgemacht. Jesus als Außerirdischer oder gar selber als Zeitreisender kennen wir von den Ufo-Freaks und Erich van Däniken. Ich denke, die einzige heutzutage noch akzeptable Möglichkeit, eine derartige gestrickte Spannung aufzulösen, besteht darin, die Sache mit einer Art absurden-psychedelischen Rausch wie in Kubricks "2001" zu beenden. Anstatt einer handfesten, kompakten Antwort, die man in die Tasche stecken kann, bekommt der Leser oder Zuschauer noch mehr kryptische, rätselhafte, bunte Bilder und Symbole geliefert, die seinen Verstand vollends verwirren und wie ein Koan suggerieren: "Denk nicht drüber nach, es ist zu hoch für Dich! Du kommst kognitiv an die Sache nicht dran!"

Stanislaw Lems "Der futurologische Kongress" endet schlicht damit, dass Ijon Tichy alles nur geträumt hat – und darf auch ruhig so enden, da die Vermischung von Traum und Wirklichkeit ohnehin sein Thema ist. Man liest ihn als philosophisches Gedankenexperiment, das in den Rahmen einer Science-Fiction-Handlung nur gestrickt ist, aber bestimmt nicht mit seiner Storie steht oder fällt! Die konzeptionellen Ideen bleiben stärker in Erinnerung als die konkreten Ereignisse. Das ist legitim, wie gesagt, wenn der Leser schon an den Kapiteln selber seine Freude hat, und nicht vornehmlich durch die Erwartung des Endes zum Lesen motiviert wird. Diese beiden verschiedenen Konzepte lassen sich mit Alfred Hitchcock als Suspenese und als "Who-Done-it‘s?" differenzieren. Suspense: die Spannung liegt in den Situationen, der Gestalt der einzelnen Szenen selber; "Who done it‘s?": die Spannung wird durch das Versprechen einer Auflösung des Rätsels am Schluss wachgehalten. Konsequent verwendete Hitchcock seine ganze Mühe auf die Erzeugung von Suspense, die Gestaltung in sich spannendere Konstellationen, Figuren, Szenarien etc,. während er für die vordergründige Storie eigentlich nur irgendeinen beliebigen Anlass suchte. Der "McGuffin" ist ein oberflächlich konstruiertes Motiv, das einfach nur die Handlung anschiebt und am Ende irgendwie formal abgeschlossen werden muss, damit der Film auf eine Reihe gefädelt werden kann: "Finden sie die Geheimformel! Die Feinde sind hinter ihnen her!" – dann irrsinnige Verfolgungsjagden, Versteckspiele, tragische Verstrickungen, unheimliche Verschwörungen und peinliche Bloßstellungungen, beängstigende Zwickmühlen, Abgründe der Seele, ein alptraumhaftes Spektakel aus Schuld, verdrängter Lust, Glamour, Todesangst und skrupellosen Kalkül, und schließlich: "Bitte sehr! Hier ist die Formel!" – "Oh. Ich danke ihnen!"

O.K. – aber auch hier: inwiefern ist die Chose befriedigend? – wir erwarten keine wirkliche Auflösung und sind auch nicht enttäuscht. Die Hitchock-Filme halten die Spannung die gesamte Dauer auf solidem Niveau; am Schluss findet keine Steigerung statt. Es gibt kein wirkliches Finale, zumindest kein wirkliches, ernsthaftes, nicht im dramaturgisch anspruchsvollen Sinne; es gibt eine Kletterei der Figuren auf den Mount-Rushmore-Köpfen, sozusagen einen spektakulären Höhepunkt wie in einer Fernseh-Revue, wenn die Bühnentechnik nochmal voll hochgefahren und die Musik voll aufgedreht wird; also auf der Ebene der Effekte, die man am Schluss einfach noch ein bißchen doller überdreht. Aber ein Finale, das zugleich eine Auflösung darstellt, einen Aha-Effekt impliziert, in dem der Betrachter sozusagen tief in das Wesen der Dinge oder zumindest in die Idee des Werks blickt, erfordert mehr. Es spitzt sich im Lauf seiner Geschichte immer mehr zu, spiegelt sich selbst in seinen Schlüsselszenen und schlägt schließlich im Finale qualitativ um. Es verwandelt sich und steht zum Schluss als eine andere Totalität da, und diese neue Totalität wirkt zurück bis in seinen Kern. Das ist bei Hitchcock freilich nicht der Fall, kann es auch gar nicht sein; man spürt, dass es Hitchcock nicht um die Aufklärung, Auflösung, Überwindung etc. seiner Ängste, Komplexe, Aggressionen und Obsessionen geht, sondern dass er sie vielmehr ausleben, objektivieren möchte. Ihrer Darstellung fehlt alles Katharsische. Hitchcock macht sie sichtbar, greifbar, vergegenständlicht sie und neutralisiert sie damit auch ein Stück weit, hält sich die Dämonen auf diese Weise ein bißchen vom Hals; aber er verjagt sie nicht ein für allemal – wie es eben Philip K. Dick mit "Der dunkle Schirm" versucht.

Auch die tausend Seiten von Tom Wolfes "Fegefeuer der Eitelkeiten" liest man nicht, weil man etwa auf den Schluss gespannt wäre. Man liest sie, weil die Verstrickungen der Gestalten in Schuld und Verbrechen, in die sie allein aus ihren dummen Eitelkeiten geraten, analytisch präzise gezeichnet ist. Man liest, weil Stil, Thema und Darstellung an sich faszinieren. Wolfes, in der Malerei würde man sagen: "fotorealistischen", akribischen Beschreibungen motivieren dazu, die Lektüre – trotz einiger Langatmigkeiten - durchzuhalten. Der Roman ist sozusagen in Zeitlupe geschrieben, in hoher Auflösung, damit bloß kein Mundwinkelzucken oder Augenbrauenheben verpasst wird. Die Story handelt von einigen Menschen in New York, die in unterschiedlichen Verhältnissen leben: millionenreiche Börsenmakler und farbige Ghettokinder, radikale Politiker, Sensationsjournalisten und zynische Juristen sind in einen Kriminalfall verwickelt, aus dem jeder entweder Gewinn schlagen möchte oder zumindest mit heiler Haut wieder rauskommen. Der Roman entfaltet das panoramahafte Gemälde einer New Yorker Schlacht um Prestige, Geld, Sex, Macht, Einfluss, Ruhm..., wobei die Karrieren mancher Personen am Ende steil nach oben schießen, andere in den Abgrund fallen. Wie gesagt, gibt es ein richtiges Finale am Schluss, bei dem die Raketen umher knallen.

Der Titel "Fegefeuer der Eitelkeiten" ist insofern programmatisch, da sämtliche Individuen mit der Wirkung ihrer Selbstinszenierung entweder totalen Erfolg oder totale Vernichtung erfahren, es gibt tatsächlich kaum eine Mitte dazwischen. Jede Geste, die Wolfe beschreibt, ist alltäglich, aber gleichzeitig magisch. Es gibt ein wiederkehrendes Sprachbild, daß sich durch den ganzen Roman zieht: er begann (...) mit den ersten beiden Fingern seiner linken Hand auf den Schreibtisch zu trommeln, als wolle er sagen: also. (S. 200) - oder: Martin zog die Lippen an einer Seite nach oben mit einem Blick, der ausdrückte: Alles Bluff. (S. 270) - Hastig hob sie die Hände an ihre Ohren, löste beide Ohrringe und reichte sie ihm mit äußerster Emphase, als wolle sie sagen: Da, nimmt sie. Aber sei so nett, und reiß mir nicht die Ohren ab. (S. 484) - Die unausgesprochene Botschaft lautete: Okay, ich mache mich zum Star, weil ich diese Behörde leite und ich derjenige bin, der sich einer Wiederwahl stellen muß. Aber siehst du, ich vergesse dich nicht. Du wirst an zweiter Stelle genannt. (S. 676) -

Die vielleicht beste Szene im Buch - in der die Polizei routinemässig ein paar Mercedes-Fahrer verhört, Scherman indes nicht speziell verdächtigt und sich bei ihm eigentlich bereits für die Belästigung entschuldigen möchte, dann jedoch von kleinen nervösen Gesten aufmerksam wird und ihn schließlich dadurch zum Geständnis treibt, indem ein Polizist ihm unvermittelt seine Rechte vorliest – ist dermaßen gut geschrieben, dass sogar ein äußerst mittelmäßiger Regisseur wie Brian de Palma in einer ansonsten äußerst durchwachsenen Verfilmung sie nicht verhunzen konnte.

Aber egal. Schauen wir lieber, wie Tom Wolfe sein Fegefeuer auf die Spitze treibt und dann fulminant auflöst! Sherman McCoy ist durch die Ereignisse ruiniert und zum Zyniker geworden. Ein Jahr später, in einem Epilog tritt er nochmal vor Gericht auf: "Ich habe mit Wall Street und Park Avenue nicht mehr zu tun. Ich bin ein Berufsangeklagter. Ich habe ein Jahr juristischer Schikanen hinter mir." Gewiss ist Sherman kein Held, er ist genauso trickreich, eitel und auf sein oberflächliches Ansehen bedacht wie alle Anderen. Das einzige, was ihn von den übrigen Heuchlern, Gutmenschen und Glamourärschen unterscheidet, ist eben die Tatsache, dass er Pech gehabt und in das Zentrum eines sozial-politischen Konflikts geraten ist, aus dem er nur zerfleddert wieder hervorgehen konnte. Allerdings: in dieser einmaligen Position – im "Mittelpunkt des politischen Sturms" - konnte er klar sehen, was und wie es läuft: die Kraftverhältnisse in den Sozialen Feldern und mit was für Tricks die Leute um Status, Macht, Geld und Ansehen kämpfen. Er ist nur zynischer geworden, weil er an nichts mehr glauben kann, nicht mehr Liebe, nicht mehr Moral; stattdessen erkennt er überall die egoistischen Interessen, die Eitelkeiten eben, die hinter den vorgeschobenen Idealismen stecken. Er ist abgebrühter, hat einem schärferen Blick für die Verwicklungen, Intrigen und gegensätzlichen Egoismen, an denen er gescheitert ist; zugleich steckt er aber auch in der Sackgasse und hat keine Handlungsspielräume mehr. Er durchschaut zwar den oberflächlichen Schein, ist aber nur noch ein Spielball in den Kämpfen Anderer oder eben ganz ausgeschieden. Mit vollem Durchblick, aber ohne Perspektive.

Was macht dieses Finale besonders? – zum einen natürlich auf der Ebene der oberflächlichen Ereignisse einfach die Beobachtung, wie es den zahlreichen Handelnden gelingt, aus ihren Handlungen innerhalb den Strukturen des Skandals entweder Gewinn für die eigene Karriere zu schlagen oder dabei mit auf die Fresse auf fallen. In dieser Hinsicht erweist sich Tom Wolfe einfach als genialer Soziologe, vergleichbar mit Pierre Bourdieu, der ja Gesellschaft ebenfalls als einen Kampf der Individuen um Status, Geld und Ansehen definierte und einem Netz aus Beziehungen, Relationen, Verhältnissen etc. in denen Druck ausgeübt, Connections gepflegt, Seilschaften geschlossen etc. werden. Aber da steckt noch mehr hinter. Was genau macht dieses Ende zu einem echten, großartigen Finale, zu einem Paukenschlag, der die Storie mit prächtigem Knallbumm abschließt und nicht einfach bloß beendet? Ich denke, es ist die Verwandlung von Sherman, der eben als ein doppeldeutiges Subjekt aus der Sache hervorgeht. Er ist zwar am Ende in der Position, das ganze verflochtene, unheilvolle Spiel und die eitlen Motive der Figuren zu durchschauen – aber es nützt ihm nichts. Dennoch fragt man sich, ob er eigentlich dabei gewonnen oder verloren hat. Zwar wohnt er "nur" noch in einer normalen Zwei-Zimmer-Wohnung statt an der Park Avenue, aber es hätte schlimmer kommen können: er ist weder zum Alkoholiker geworden noch in der Psychiatrie oder in der Gosse gelandet; viele Menschen in New York sind übler dran. Er kann passabel weiterleben, zwar nicht mehr so üppig wie einst, aber er kommt wohl klar. Nur aus dem Spiel ist er ausgeschieden, weil er keine Karten mehr hat, während alle anderen Figuren, die Richter, Staatsanwälte, Ehefrauen und Geliebten, farbigen Bürgerrechtler und Journalisten, noch weiter um Status, Macht, Ruhm, Geld pokern - dürfen. Aber dieses Spiel, so hat uns der Roman ja gezeigt, ist das "Fegefeuer". Eigentlich gut, wenn man da nicht mehr mitmachen muss, wenn man diese Hölle durchquert hat und endlich draußen ist! Klar, dass man dabei nicht ohne ein paar Brandwunden wegkommt. In gewisser Weise wurde Sherman unfreiwillig zum Stoizismus verdamt, für einen Philosophen wie Schopenhauer wäre sein neuer Standpunkt weise, nur hat Sherman ihn leider nicht freiwillig gewählt, sondern wurde dorthin gestoßen. Er ist zur Weisheit verdamt, weil er aus dem Gesellschaftsspiel unfreiwillig ausgeschieden ist. Es ist also die Frage, ob er dabei wirklich weise geworden ist, oder lediglich verbittert und nur bemüht, noch eine halbwegs stolze Figur abzugeben; diese Frage bleibt offen. Der weise Außenseiter ist ein gefallener Yuppie, der die eitlen Gesellschaftsspiele zwar durchschaut, aber sich für seine Erkenntnis auch nichts kaufen kann und darum griesgrämig und zynisch wird. Das sitzt, das kommt überraschend und gibt dem Roman einen Schluss mit Paukenschlag.